Pseudogetreide

Um zu verstehen, was Pseudogetreide ist, sollten wir uns kurz vor Auge führen, was überhaupt Getreide ist. Ein kleiner Exkurs in die Geschichte von Brot, Brotstange, Baguette, Semmel und Brötchen.

Getreide ist alt, sehr alt. Bereits um 10.000 vor Christus kannten unsere Vorfahren Getreide, doch wussten sie direkt noch nichts mit Pflanze oder Korn anzufangen. Das natürliche Nahrungsangebot war überschaubar. Der Speisplan der frühen Menschen bestand aus Wild, welches sie auf der Jagd erlegen konnten, aus Wildfrüchten, Wurzeln, Nüssen oder Samen.

Der frühe Mensch lebte nomadisch, schloss sich in kleinen Gruppen zusammen und verweilte lediglich so lange an einem Ort, bis die Jagd zunehmend schwieriger wurde oder die Witterung ihn zwang in wärmere Gefilde zu ziehen. Ackerbau und Viehzucht gewannen immer mehr an Wichtigkeit, sodass etwa 5.000 bis 7.000 v.Chr. der jungsteinzeitliche Mensch begann Emmer, Einkorn, Urformen des Weizens, sowie Dinkel, Gerste und Rispenhirse zu kultivieren und anzubauen. Tiere wurden in Herden gehalten, manches Tier als Nutztier verstanden und eingesetzt, was ihn folglich dazu zwang ein sesshaftes Leben zu führen. Die Spelzgetreidesorten Emmer, Einkorn, Gerste und spelzloser Nacktweizen wurden zum Hauptnahrungsmittel des frühen Menschen.

 

 

Getreide © Can Stock Photo Inc. / SafakOguz Getreide © Can Stock Photo Inc. / SafakOguz

 

 

In vielen Ländern und Kontinenten unserer Erde passte sich der Mensch nunmehr nicht nur seiner Umgebung an, sondern begann seine Umgebung nach seinen eigenen Bedürfnissen zu formen. So wurde in Afrika als erste Getreideart Hirse kultiviert, wogegen China für den Reisanbau und die Völker Mittelamerikas für den Maisanbau standen.

 

 

Hirse © Can Stock Photo Inc. / noppharat Hirse © Can Stock Photo Inc. / noppharat

 

 

Ohne unsere Vorfahren, die eifrig nach grossen, robusten und schnell wachsenden Pflanzenarten für ertragreiche Ernten suchten und diese gezielt züchteten, hätten wir heute keine knusprigen Weizen- Brötchen oder wunderbar schmackhafte Roggen-Brote, egal ob mit oder ohne Nuss und vollem Korn, Oliven oder Feigen. Uns würde schlichtweg das Mehl zum Backen fehlen. Wir hätten weder Reis, welches als Hauptgetreide in tropischen Zonen, und als Grundnahrungsmittel in Asien gilt, noch Mais, das die Völker Nord-, Südamerikas und Afrikas ernährt und als Viehfutter weltweit eingesetzt wird. Wir hätten keine Gerste, die unter anderem als Grundstoff für Bier zu Gerstenmalz verarbeitet wird, noch gäbe es Hafer oder Hirse für feinste Brei-, Müsli-, Suppen-, Auflauf- oder eben auch Brot- und Brötchen-Rezepte. Allesamt Getreidesorten, die wir ohne unsere Vorfahren weder kennen noch nutzen würden.

 

 

Amaranth © Can Stock Photo Inc. / Avella2010 Amaranth © Can Stock Photo Inc. / Avella2010

 

 

Doch was ist dann Pseudogetreide? Getreide gehört zur Familie der Süßgräser, sie gehören zu den Blütenpflanzen und gelten weltweit als Nutzpflanzen. Man erkennt sie leicht an ihrem Aussehen, das typisch grasartig ist.
Pseudogetreide, auch Scheingetreide oder Pseudozerealien genannt, sind dem Getreide sehr ähnliche Pflanzengattungen, die allerdings nicht zur Familie der Süssgräser gehören.
Dennoch kann es oftmals zur Verwechslung kommen, da Pseudogetreide in der Küche ähnlich verarbeitet und verwendet werden kann, wie herkömmliches Getreide.

 

 

Quinoa © Can Stock Photo Inc. / cheekylorns Quinoa © Can Stock Photo Inc. / cheekylorns

 

 

Das Pseudogetreide Amaranth gehört zur Familie der Fuchsschwanzgewächse, Quinoa gehört zu einer Unterart der Familie der Gänsefußgewächse. Beide stammen ursprünglich aus Zentral- und Südamerika und zählen weltweit zu den ältesten Nutzpflanzen der Erde.
Buchweizen stammt aus Zentralasien und gehört zur Gattung der
Knöterichgewächse.

 

 

Buchweizen © Can Stock Photo Inc. / LianeM Buchweizen © Can Stock Photo Inc. / LianeM

 

 

Pseudocerealien enthalten kein Gluten, was ziemlich interessant für Allergiker sein kann. Aus genau diesem Grund haben Pseudozerealien allerdings auch keine Eigenbackfähigkeit. Man kann somit aus Pseudogetreide selbst kein Brot oder Brötchen backen, da schlicht kein echter Brot-Teig entsteht. Deshalb wird Pseudogetreide zum Backen meist mit glutenhaltigem Roggen oder Weizen, also mit echten Getreidesorten vermischt, oder aber mit Chia Samen oder Chiagel unterstützt.
Was dennoch immer wunderbar geht sind leckere Quinoa Salate, süsse Hirse-Zwetschgen Aufläufe, natürlich Amaranth Nuss Müsli oder einfach auch nur Pseudogetreide als Beilage, gedünstet und leicht angebraten.
Das ist besonders lecker und eine wahre Bereicherung für unseren Speiseplan.

 

Guten Appetit!!!

Artemis

 

 

Alle hier verwendeten Bilder © Can Stock Photo Inc.

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